Tag Archive: Llareggub


Blueblow a fuse against machineries of night

Blueblow enraged machineries of light
for D.T., me and all the love has died
Blow blue confused and rage against
machineries of light of plastic pale
hypocrisies and hippocampic buckings
bombing back
despite the dying of delight
on the occasion of
forgiven and forget
me nots and
never
wills
it
still
stands now
all machinery it
rests and rusts all love
and long lost lust.
Oh ditty, pity me and love that’s died 
and  dead.

Tempelmusik

Ich erinnere mich – und dann will ich es nicht mehr tun – an die winzige Begebenheit, die mein Leben bislang war, und an uns, Größtes darin.
Nur ein kurzer Traum auf den Brettern Calderons in einer wellenbeklatschten Nacht unter dem Milchwald: Prinz Zygmunt in Llareggub.
Noch hängt der besoffene Mond schnarchend im schwarzen Zenith. Hört mich also jetzt, denn wenn er in die Morgenschwaden fällt, enden Atem und Zeit.

Präludium: Kastanien im Feuer

Der Weg zum Kastanienbaum war 50 Kinderschritte lang, zum Weiher am Waldrand das Doppelte und noch ein bisschen mehr.
Auf der grünen Bank unter dem Kastanopelbaum saßen die Burgfräulein und die Ritter und ich, kleiner Hofnarr, nach der Eidechsenjagd in der Lehmkuhle. Die älteren Nachbarskinder gaben sich — ich hab’s gesehen – manchmal schon Küsse. Das waren Erwachsenengesten und die Lippen blieben trocken. Das wohlige Kribbeln im Bauch und der heiße Kopf hatten damals noch andere Ursachen: Man musste beim Völkerball zwischen den Garagen vom richtigen Mädchen abgeschossen werden oder es selbst treffen.
Der kürzeste Weg zur Dorfschule führte mitten durch den Friedhof. Wir gingen ihn selbst im Sommer nicht gern. Das Leichenhaus, ein roter Backsteinbau, duckte sich gleich hinter der Friedhofshecke in gefährlicher Nähe zur Siedlung. Habe ich es jemals betreten? Ich weiß nur noch, dass die große Mutprobe es so verlangte, denn hinter Glasscheiben lagen die frischen Toten in Festtagskleidung auf dicken, weißen Betten. Wir waren uns sicher, dass ihre Seelen noch wachend über ihren Körpern schwebten. Erst nach dem Begräbnis verschwanden sie. Wohin wussten wir nicht so genau.
Wir lebten zwischen Gärten, am Rand von Feld und Wiese, dahinter der Wald. Vom Balkon aus sah ich unsere Katze auf dem Kirschbaum des Nachbarn Spatzen jagen. Wie idyllisch! denkt ihr?
Es war keine Idylle, war nicht wie in Oblomows Traum. Denn am tausendundersten Tag holte der Tod das Mädchen von schräg gegenüber, die Tochter des Buchhändlers, die schon 16 war.
Der Tod war als goldbraune Flüssigkeit ihre Armvene hochgestiegen, sie schmeckte noch unter der Zunge das süßliche bleierne Blut und als sie den Gürtel gelöst hatte, riss er sie mit sich bis hinter den Horizont.
Ein Jahr später — mitten im Winter – saß ihr Vater nackt auf seiner Terrasse und dehnte den mageren Körper im Schneeflockenbad: Yoga. Seina Frau hatte ihn längst leise verlassen.

Kommt, wir überschlagen ein paar Seiten, denn ich weiß nicht — wer weiß denn schon -, wieviel Zeit noch bleibt:

Es ist die dunkle Stunde. Die Stunde zwischen 1 und 2. Die Kneipe hat dichtgemacht und es fährt keine Straßenbahn mehr. Ich richte mir mein Bettchen auf der Bank an der Haltestelle ein. Aber das Daunendeckchen aus Zeitungspapier will mich nicht wärmen, der Nachtwind bläst mir seinen kalten Atem spöttisch ins Genick und das Bier und die Schuldgefühle zerren meine wankende Seele in entgegengesetzte Richtungen. Ich setze mich stöhnend wieder in Bewegung. Langer Marsch hinaus aus der abgeschminkten Stadt. Ich brumme – oder lall’ ich? — mir Mut zu mit dem “Kartendippler-Blues”: I hob mei Göid valoan I lost my money … and now I’m hatsching beside my shoes. Des is da Koatendibbla-Blues.
Vorher, an der Theke hatte ich den Zug nach Jerusalem bestiegen. In dieser anderen Welt, in der der Tabakrauch aus glänzenden Mädchenlippen quillt, er duftet so gut, er riecht so verrucht nach lüsternem Likör, in dieser anderen, magischen Zeit, die ihre jungen Brüste gurrend an meiner Sehnsucht reibt, da fährt der Zug nach Israel erst über Paris und dann über New York.

Mich fröstelt. Diese Jugend hat kein Happy End.

Windlied

Du bist der sanfte Wind in meinem Haar und die Nachmittagssonne, die den Tag lächeln lässt. Du bist das kühle, raschelnde Gras, das meine nackten Sohlen streichelt.
Ich schreibe in Schattenschrift, schreibe in dein Totenbuch, ins Tagebuch meiner toten Geliebten. Schreibe einen Traum … Deine Abwesenheit sei mir ein Haus wie es Neruda besang — „ vive en mi ausencia como en una casa” -, groß wie die Welt, die du mir überlassen hast.
Es soll noch nicht Tag werden, es ist noch nicht wahr. Ich drehe das Zeitrad zurück: Du hast noch ein Leben von 2 Jahrzehnten in den letzten 5 Stunden dieser walisischen Nacht.

Es gibt eine Zeit, da ist mein Leben mir zerbrochen, besitzt keine Form, die es hält. Ich treibe durch die Städte und bleibe, wo es warm ist.
Bei dir ist es warm und mit dir kommt die Liebe und fast schon so etwas wie Glück. Ein ganzes Jahr lang klammern wir uns aneinander, salben uns mit Zärtlichkeiten und Vertrauen.
Erst jetzt erkenne ich, was so ein Streuner wie ich dir überhaupt geben konnte: die vollkommen absurde Hoffnung, dass noch einmal etwas Großes geschehe. Und es geschieht:
Diesmal komme ich aus den Wäldern. Der Zug bringt mich in den Osten der Stadt. Ein neuer Freund teilt für ein paar Tage seine Wohnung mit mir. Ich suche meinesgleichen und finde die Kinder des Saturn.
„Mein Gott, Udo! Musst du das hier machen?” Udo ist der Junge links von mir und er kocht sich seelenruhig sein Süppchen Gift auf dem Löffel. Ich muss grinsen, denn das Codein beginnt zu wirken. Du sitzt mir direkt gegenüber, eine Hippieprinzessin und ich würde sofort auf die Knie fallen, um deine Schönheit anzubeten, wenn denn genug Platz wäre. Das Tischlein zwischen uns verhindert das und wohl zum Glück, denn dein Freund sitzt neben dir und dein Freund ist der beste Freund meines Gastgebers.
Wir fahren zu einer Party auf dem Land. Dein Blick wird weich, als ich dir meine Geschichte erzähle und die Art, wie du mir zuhörst, verwandelt mich in einen göttlichen Erzähler an den Biertischen.
„Du kannst bei mir wohnen”, sagst du mir auf dem Rückweg.
Eine Woche später kreuze ich bei dir auf und 3 Monate später lieben wir uns.
Jeden Tag erzählt die Liebe uns ihr Märchen und wir machen es wahr.

Ach, Freunde, ich bin müde und die Zunge ist mir träge geworden von der Schokolade meiner Worte. Schiebt die bauschige Wolke dort ein Stück weit vor den Mond und lasst uns ein Stündlein schlafen, träumen. Wo sind wir? Durch die Sonnenbrillenscheibe, das braun getönte Fenster der Pizzeria neben dem Institut, könnt ihr mich nicht sehen, wie ich dasitze und mir die Welt starr saufe.

Langsamer, leiser wird der Verkehr auf der Straße, das Zucken, das Huschen, das Stolpern der Passanten draußen in der Mittagspausenhast. Der Schnaps choreographiert ein Zeitlupenballett verzückter Karpfen vor der Fütterung.
Du wartest mit dem Essen.
Ich blicke auf die Uhr und die Uhr schreit mich an: Nein, jetzt wartet sie nicht mehr. Ein Herzstich, ein warmes Tränchen zart dezent verrülpst. Auf, auf und tapfer in die nächste Runde!
Erleichtert winke ich ein neues „Gedeck” herbei und versinke in mein wundersames Anderswo.

Um 4 Uhr morgens betrete ich die Wohnung. Das Licht brennt noch und du liegst in einem schwarzen Kleid auf der Couch. Als ich näher komme, wachst du auf. Du stehst auf und gehst ohne den Blick zu heben an mir vorbei ins Schlafzimmer. Als wär’ ich nicht da, als wärst du allein. Du bist allein. Du hast Zarah Leander gehört, diese Stimme, mit der du dich gegen mich, gegen deine Gefühle für mich bewaffnet hatte, gleich nach dem ersten Verrat. Kaum hast du die Tür hinter sich zugezogen, ziehe ich ein braunes Fläschchen aus der Jackentasche. Ich schraube den Verschluss auf, gieße ihn halbvoll und schlucke die bittere Flüssigkeit. Dann nehme ich mir ein letztes Glas Wein aus der geöffneten Flasche auf dem Tisch, stecke mir eine Zigarette an und knipse das Licht aus. Der Vollmond im Fenster ist hell genug, um mich das Sofa finden zu lassen. Ich strecke mich darauf aus und flüstere: „Born to be lonely. I am best so” aus Williams’ Danse Russe. Die Droge legt ihren warmen Schleier über mich. ich schließe die Augen und empfange meinen Dämon.

Bronzetrommel

Frau Wang mit dem 2. Ton, also: Wáng mit der Bedeutung ,König’, stammt aus der schönen Stadt Hangzhou, Hauptstadt der Provinz Zhejiang, und dort sprechen die Menschen Wu und nicht Mandarin.
Wir als zukünftige Sinologen lernen natürlich die Putonghua, die auf dem Beijinger Mandarindialekt basierende Hochsprache.
Ich bin am Ziel, beinahe schon im Reich der Mitte, kenne das Geheimnis der Zeichen und — habe lähmende Angst.
„Sind Sie aufgeregt?” fragt Frau Wang vom anderen Ende des Tunnels aus, dessen Wände von 2 endlosen Reihen gesichtsloser Kommilitonen flankiert werden.
Ich habe mein Sätzlein mit Mühe abgeliefert. Die Zusammenschau der dreidimensionalen Komplexität eines chinesischen Satzes, das heißt: die annähernd gleichzeitige Dekodierung von graphischer Repräsentation in lautliche Wiedergabe und deutsche Entsprechung, hat mich fast überfordert.
Hier ist also meine Grenze! Wie entsetzlich, diese schmerzhafte Erfahrung vor Eingeweihten machen zu müssen, die sich am selben Maßstab messen lassen! Ich bin sicher, dass die erythrophobische Attacke mich augenblicklich töten wird und so damit beschäftigt, möglichst unbemerkt zu „verschwinden”, dass ich kaum wahrnehme, wie sich die Schwerkraft der allgemeinen Aufmerksamkeit schon auf meine Nachbarin verschoben hat.
Zurück aus der Realität vergrabe ich mich in meine Bücher, in meiner restabilisierten Harmonie und meine lebenserhaltenden Phantasien wachsen so hoch wie der Tienshan.
Du aber, geschlagen mit denselben Ängsten, kämpfst den hoffnunglosen Kampf weiter.
Ich sehe dich, wie du aus dem Kolleg zurück kommst, aus der Physikübung, aus dem Kant-Seminar: mit kalkweißem Gesicht und fiebrigem Blick, verkrampft bis auf den Grund deiner Seele.
Wir haben uns durchgefochten bis zur vordersten Front und dort sind wir gnadenlos zusammengebrochen.
Da merke ich, dass ich Bambus bin. Langsam, langsam schwinge ich in die Vertikale zurück. Ich will mir noch ein paar Sonnenstrahlen gönnen, ehe ich, wie jedes Gras, verwelke.
Mitten im Sommer stehe ich an deinem Grab und schlage die Bronzetrommel zur traurigen Tempelmusik.

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